Bäckermeister August Dietrich, der Urgroßvater, hat in Leipzig-Leutzsch eine
Bäckerei. 1911 beschließt er, sich mit einem kleinen Krämerladen fernab der
Großstadt im landschaftlich schönen Erlbach zur Ruhe zu setzen. Dazu kauft er
ein Grundstück mit Bauernhaus, das er später zu einer Bäckerei umbaut. Dass es
dazu kam, ist den Erlbachern zu verdanken, die ihn am Stammtisch überredeten,
doch bei seinem Handwerk zu bleiben.
Großvater Rudolf übernahm 1935 den väterlichen Betrieb und führte ihn durch
die Wirren des zweiten Weltkrieges und die ersten Nachkriegsjahre.
Nur durch größte Anstrengungen und Mithilfe der Angehörigen gelang es
anschließend Vater Werner Dietrich, den Familienbetrieb zu erhalten. Trotz
mangelnder Rohstoffe - Mehl und Margarine wurden „amtlich gestreckt",
ungenügender Technikbereitstellung und dem Bemühen des Staates - z.B. durch
enorme Steuerlasten - Handwerksbetriebe zu vernichten und Großbetriebe zu
bevorzugen, führte er das Geschäft bis zur Wende.
Ende 1990 übernimmt sein Sohn Mario die Bäckerei.
Der Start hätte schlechter gar nicht sein können. Plötzlich ging es mit dem
Umsatz drastisch bergab. „Ost-Backwaren" waren nicht mehr gefragt. Auch
erschreckte der Unterschied zwischen kostendeckenden und vorherig
subventionierten Preisen viele Kunden und ließ sie zu den Supermarktregalen der
westlichen Industriebäcker wandern. Für dringend notwendige Investitionen fehlte
das Eigenkapital. Woher hätte es auch in den vorherigen Jahrzehnten kommen
sollen? Es wurde ernsthaft überlegt, ob ein Weiterbetrieb der Bäckerei möglich
ist.
Ein Besinnen auf die Stärken, die sich über Generationen als richtig erwiesen
hatten, ermöglichte uns, die Talfahrt zu beenden. Indem wir die Forderungen der
Marktwirtschaft auch als Chance begriffen, gewannen wir die innerliche Stärke,
die Schwierigkeiten die nun auf uns warteten, zu meistern. Harte Arbeit, anfangs
noch im kleinen Kreis, wurde das Fundament. Ohne die Leistungsfähigkeit und den
Leistungswillen der sich langsam vergrößernden Belegschaft gäbe es diesen Erfolg
nicht. Eine gesunde Risikobereitschaft und Fördermittel ermöglichten uns, in
neue Technik zu investieren. Als eine der ersten Handwerksbetriebe in den neuen
Bundesländern setzten wir z. B. eine computergesteuerte Spiralkneter- und
Bandanlage ein. Endlich wurde damit die schwere Arbeit der Mehlschlepperei und
der Teigverarbeitung von Maschinen übernommen. (Es gibt nur wenige ältere
Bäcker, die nicht krank sind von schweren Mehlsäcken und Teigen!)
Die freiwerdende Zeit konnte nun für aufwendige Handarbeiten wie Brezeln
schlingen, Hörnchen wickeln, Glasieren verwendet werden. Nicht zuletzt macht so
etwas auch den Beruf des Bäckers wieder attraktiv.
Der wichtige Vorteil eigener Vertriebswege war uns nicht neu. Bis weit in die
70er Jahre versorgten wir die umliegenden Orte bereits mit Backwaren. Daran
haben wir angeknüpft, als wir uns neben 10 Filialen für inzwischen 16
Verkaufsmobile entschieden.
Ein großes Sortiment (z.B. 20 Sorten Brot, 20 Sorten Brötchen, 50 Sorten
Schnittkuchen) an backfrischen, hochwertigen und preisgünstigen Backwaren macht
uns am Markt konkurrenzfähig. Der Erfolg bei der Kundschaft gibt uns recht.
Trotzdem ist es notwendig, auch über das Bewährte und momentan Erfolgreiche
hinauszugehen. Mit der Einführung eines Backwarensortimentes aus biologisch
kontrolliertem Anbau (gemäß EG-Verordnung 2092/91) betraten wir Neuland. Die
Haltung, dass man für die Bewahrung oder Herstellung einer intakten Natur, für
eine gesunde, ursprüngliche Ernährung und gleichzeitig für die Sicherung von
Arbeitsplätzen etwas tun sollte, wird von immer mehr Menschen geteilt. Für
Bio-Backwaren nach obiger Definition gelten strenge Richtlinien, die ständig und
unangemeldet kontrolliert werden: von der Ackerbeschaffenheit über Saatgut,
geerntetes Getreide, Mehl bis zum fertigen Brot auf der Ladentafel. In der
gesamten Verarbeitung sind synthetische Pflanzenschutz- und Düngemittel,
chemische Zutaten, künstliche Backhilfsmittel tabu. Durch diesen besonderen
Verbraucherschutz kann der Kunde sicher sein, wirklich die bestmöglichen
Backwaren zu erhalten. Wir arbeiten hier mit der Rolle-Mühle („Rolle-Mehl ...
mit reiner Wasserkraft gemahlen, eine saubere Sache") aus Waldkirchen zusammen,
eine von drei sächsische Öko-Korn-Mühlen, die sich um die Verwirklichung dieser
Idee besonders verdient gemacht hat. Selbstverständlich bezieht sie ihr Korn von
regionalen sächsischen ÖKO-Getreidebauern.
Eine weitere neue Geschäftsidee sind Aktivitäten auf Dorffesten,
Veranstaltungen und Bauernmärkten. Worüber viele reden, was einige versprechen.
Wir stellen es her: das „Altdeutsche Brötchen" in Handarbeit, nach
traditioneller Rezeptur, wie zu Großmutters Zeiten. Oder Holzofen-Brote,
gebacken in mit Buchenholz gefeuerten transportablen Backöfen, Schinken im
Brotteig, Eis, .... Wir sehen jedoch auch die Schwierigkeiten, die mit der
gegenwärtigen wirtschaftlichen Lage auf uns zukommen. Dabei sind wir uns unser
Verantwortung sehr wohl bewusst: Nur gemeinschaftliches Handeln im regionalen
ländlichen Raum bringt uns weiter. Es liegt auf der Hand, dass dabei gerade
Handwerk und Mittelstand eine gewichtige Rolle zufällt. Unser Wunsch ist es,
verstärkt mit einheimischen Anbietern zusammenzuarbeiten.
Bei den Gewerken Bau, Elektro-, Klempner und KFZ werden ausschließlich
Unternehmen der Nachbarorte beauftragt. Wir beziehen unser Mehl von der
sächsischen Dresdener Mühle (im Moment 50 Tonnen monatlich gegenüber 8 Tonnen
1990), die ihrerseits von sächsischen Bauern beliefert wird. Ausgehend von 4
Beschäftigten im Jahre 1990, haben wir 80 neue Arbeitsplätze geschaffen. Derzeit
bilden wir 21 Lehrlinge aus ...
Soviel in kurzen Worten etwas über die Landbäckerei Dietrich in Erlbach. Wir
hoffen, dass Sie sich nun ein erstes Bild von uns machen können. Für weitere
Fragen stehen wir jederzeit gern zur Verfügung.

Auszubildende der Landbäckerei Dietrich